Photovoltaikanlagen

 

Völlig unabhängig, was der Investor im Hauptberuf macht, wird er durch den Betrieb einer Fotovoltaikanlage ein Gewerbetreibender. Er wird dadurch mit verschiedenen Steuerarten konfrontiert.

Einkommensteuer

 Er hat Einkünfte aus Gewerbebetrieb und muss daher jährlich einmal seinen Gewinn oder Verlust ermitteln und diesen im Rahmen einer Einkommensteuererklärung zusammen mit seinen übrigen Einkünften dem Finanzamt erklären. Bis zu einem Umsatz (Einnahmen) von 500.000 Euro und einem Gewinn von 50.000 Euro kann man die Gewinnermittlung auf der Basis einer Einnahmen-Ausgabenrechnung durchführen. Während man die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben so ansetzt, wie sie im Kalenderjahr zu- oder abfließen, werden die Investitionskosten (ohne MWST) über eine voraussichtliche Nutzungsdauer von 20 Jahren verteilt (Absetzung für Abnutzung = Abschreibung ). Als Betriebsausgaben kommen neben diesen Abschreibungen insbesondere in Betracht: Zinsen, Bankgebühren, Steuerberatungskosten, Versicherungsprämien in Zusammenhang mit dieser Anlage, die an die Lieferanten bezahlte Mehrwertsteuer (wird Vorsteuer genannt), Mehrwertsteuerzahlungen an das Finanzamt, usw. Inbesondere am Anfang kommt es zu Mehrwertsteuererstattungen, die dann als Betriebseinnahmen anzusetzen sind.

Steuerlich besteht wegen der AfA ( Absetzung für Abnutzung ) ein großer Unterschied zwischen einer

1. Aufdach-Anlage

oder

2. Indach-Anlage

Zu 1:

Das sind die Anlagen, die über dem bestehenden Dach montiert werden und keine Dachfunktion haben. Es handelt sich um eine Betriebsvorrichtung, die man getrennt vom Gebäude abschreiben kann. Hierbei sind die Systeme gemeint, die man überwiegend antrifft. Neben der normalen AfA kann man hier in den ersten 5 Jahren auch eine Sonder AfA bis max. 20 % der Herstellungskosten absetzen. Es besteht unter gewissen Voraussetzungen auch die Möglichkeit, bereits im Jahr vor der Montage über einen Investitionsabzugsbetrag die Abschreibung und somit den Steuervorteil vor zu verlagern. So entstehende Verluste können dann mit anderen Einkünfte z.B. Löhnen oder Gewinnen verrechnet werden, was zur Steuersparnis führt.

Zu 2:

In diesem Fall hat die Anlage gleichzeitig eine Dachfunktion und ist somit Bestandteil des Gebäudes. Die steuerliche Beurteilung hängt danach davon ab, wie das übrige Gebäude genutzt wird z.B. als Wohnhaus zu eigenen Wohnzwecken, als Vermietungsobjekt oder beides gleichzeitig, als Betriebsgebäude usw. Hier sind in jedem Fall Einzelbetrachtungen notwendig. Man kann aber feststellen, dass in den meisten Fällen diese Anlagen steuerlich schlechter abschneiden.

Gewerbesteuer

Der Betrieb einer solchen Anlage ist auch ein Gewerbebetrieb im Sinne des Gewerbesteuergesetzes. Grundlage für diese Besteuerung ist der Gewinn oder Verlust, wie er für die Einkommensteuer ermittelt wird. Es gibt dann noch einige gewerbesteuerspezifische Zu- und Abrechnungen. Da es pro Jahr einen Freibetrag von 24.500 Euro gibt, ist die Gewerbesteuer bei Betreiber kleinerer Anlagen meistens kein Thema.

Insbesondere die ersten 5 Jahre können wegen der Sonderabschreibungsmöglichkeiten auch zu Verlustjahren führen. Diese Verluste müssen dann festgestellt werden, damit sie auf die späteren Jahre, in denen Gewinne gemacht werden, vorgetragen werden können. Dazu ist die Abgabe einer jährlichen Gewerbesteuererklärung notwendig.

Sollte man wegen einer Fotovoltaikanlage dennoch Gewerbesteuer zahlen müssen, so können Einzelunternehmer oder Gesellschafter von Personengesellschaften diese i.d.R. von der Einkommensteuer abziehen, so dass als einzige Belastung der Verwaltungsaufwand verbleibt.

UPDATE !!!

Offensichtlich hat die Bundesregierung eingesehen, daß die steuerliche Ungleichbehandlung von Auf- und Indachanlagen keinen Sinn macht. Wie auf der Homepage der Firma Roto zu lesen ist, scheint die bisherige Ungleichbehandlung der verschiedenen Photovoltaiksysteme mit sofortiger Wirkung außer Kraft gesetzt zu sein.

Sobald es zu diesem Thema eine offizielle Erklärung im Budessteuerblatt gibt, werden wir hierüber berichten.

Link zur Meldung auf der Homepage der Firma Roto

(Hierbei handelt es sich um einen externen Link, für dessen Richtigkeit die Betreiber dieser Seite keine Haftung übernehmen).


Umsatzsteuer

Der Betrieb einer solchen Anlage, gleich welche Technik Verwendung findet, ist eine unternehmerische Tätigkeit, auch wenn der Betreiber im Hauptberuf z.B. Arbeitnehmer ist. Oft fallen solche Unternehmer unter die Kleinunternehmerregelung und können dann die enormen Mehrwertsteuerbeträge, die sie aus dem Einbau der Anlage an die Handwerker und Lieferanten bezahlen müssen, nicht vom Finanzamt erstattet bekommen. Diese müssen dann dem Finanzamt rechtzeitig erklären, dass sie auf diese Kleinunternehmerreglung verzichten und wie ein normaler Unternehmer behandelt werden wollen. Man nennt das "Option zur Regelbesteuerung". Gleichzeitig muss das auch der Gesellschaft, die den Strom abnimmt, mitgeteilt werden. In diesem Fall bekommt der Betreiber auf seine Einnahmen aus dem Stromverkauf auch die 19 % MWST vergütet, die er dann an das Finanzamt abführen muss. Er kann aber sämtliche Mehrwertsteuerbeträge, die er an seine Lieferanten bezahlt hat für die Herstellung wie später für den Betrieb bis hin zu der MWST auf die Steuerberatungskosten) absetzen.

Entsteht durch die Anlage erstmals ein umsatzsteuerliches Unternehmen, muss in den ersten beiden Jahren monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung und einmal jährlich eine Jahreserklärung abgegeben werden. Danach kann das bei einer Zahllast bis zu 7.500 Euro pro Jahr auch vierteljährlich erfolgen, was bei vielen Betreibern der Fall sein wird. Die monatliche Abgabe zu Beginn ist auch deshalb sinnvoll, weil es am Anfang zu erheblichen Erstattungen wegen der MWST aus den Investitionen kommen wird, die bei einer monatlichen Meldungen schneller erstattet wird.

Hat der Betreiber einer solchen Anlage bereits ein bestehendes Unternehmen, auch wenn dieses mit dieser Anlage nichts zu tun hat, muss er die umsatzsteuerlichen Vorgänge im Rahmen seiner übrigen unternehmerischen Tätigkeit abrechnen. Das gilt z.B. bei Landwirten, Gewerbtreibenden oder Freiberuflern aber auch u.U. bei Vermietern von Gewerbeobjekten mit Umsatzsteueroption usw. In diesen Fällen ist die Kleinunternehmerregelung meistens ohnehin bereits überschritten, so dass die zuvor genannte Option zur Regelbesteuerung zu unterbleiben hat.

Grundsteuer

Bei einer Aufdachanlage gehört diese nicht zum Grundstück, erhöht nicht den Einheitswert und somit auch nicht die Grundsteuer. Das wird bei einer Indachanlage u.U. anders zu beurteilen sein, so dass nicht auszuschließen ist, dass diese auch zu Grundsteuernachteilen führen kann.

Personenzusammenschlüsse

Oft betreiben mehrere Personen gemeinsam eine solche Anlage. In diesem Fall handelt es sich meistens um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. In diesem Fall sollte ein schritflicher Gesellschaftsvertrag geschlossen werden, in dem insbesondere geregelt wird wer, wann, welche Einlagen zu erbringen hat und wie das Ergebnis verteilt wird. Weitere Regelungen sollten für den Fall der Beendigung getroffen werden. Da hier in den seltesten Fällen die Gesellschafter gleichzeitig mit den identischen Quoten auch Grundstückseigentümer sind, sollte eine Grunddienstbarkeit zugunsten der Gesellschaft im Grundbuch eingetragen werden. Einkommensteuerlich ist eine einheitliche und gesonderte Einkunftsfeststellung notwendig, in der der Gewin oder Verlust ingesamt festgestellt und dann auf die einzelnen Gesellschafter verteilt wird.

Umsatzsteuerlich bildet die Gesellschaft als solche das umsatzsteuerliche Unternehmen. Diese hat die Voranmeldungen und die Jahreserklärung abzugeben.

Betrieb von Anlagen auf fremden Gebäuden

Betreibt ein Investor eine Anlage auf einem Gebäude, das ihm nicht gehört, muss er mit dem Eigentümer einen Gestattungsvertrag abschließen, was meistens mit einem entsprechenden Entgelt (Miete) verbunden ist. Letzteres ist beim Betreiber eine Betriebsausgabe und beim Eigentümer eine Mieteinnahme. Der Investor sollte sich die Dachnutzung durch Eintrag einer Grunddienstbarkeit im Grundbuch absichern lassen, was nicht ohne Notar geht. In diesem Fall muss ein Grundstückskäufer dieses Recht weiterhin anerkennen. Der Gestattungsvetrag wird einfach mit dem neuen Eigentümer weitergeführt.

Stromerzeugung für eigene private Zwecke

Es gibt Vertragsgestaltungen, bei denen sich der Investor den Strom, den er selbst verbraucht, faktisch zurückbehält. In diesem Fall geht das Finanzamt dennoch von einer vollumfänglichen Stromlieferung an den Stromabnehmer aus und setzt für den Privatanteil eine Nutzungsentnahme an, was zu Steuernachteilen führen kann.

Abschließende Hinweise

Die Ausführungen sind stark vereinfacht dargestellt, damit auch ein steuerlicher Laie die Grundzüge verstehen kann. Durch Gesetze und Rechtsprechung können einzelne Hinweise recht schnell überholt sein. Wir übernehmen daher keinerlei Gewähr für jederzeitige Aktualität. Vielmehr empfehlen wir jedem Investor, sich von fachkundiger Seite frühzeitig beraten zu lassen.